{"id":1808,"date":"2016-07-07T13:16:40","date_gmt":"2016-07-07T12:16:40","guid":{"rendered":"http:\/\/fh-waltrop.de\/?p=1808"},"modified":"2016-07-07T13:17:06","modified_gmt":"2016-07-07T12:17:06","slug":"sozialbericht-2016-viel-armut-schafft-unmut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/sozialbericht-2016-viel-armut-schafft-unmut\/","title":{"rendered":"\u00a0Sozialbericht 2016:  Viel Armut schafft Unmut"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"kicker\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Einmal in jeder Legislaturperiode muss die Landesregierung einen Sozialbericht ver\u00f6ffentlichen. Das ist jetzt geschehen. Das Ergebnis: Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich weiter ge\u00f6ffnet. Fragen an den K\u00f6lner Di\u00f6zesan-Caritasdirektor Dr. Frank Johannes Hensel.<\/strong><\/h3>\n<figure style=\"width: 215px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a class=\"lightbox\" title=\"Frank Johannes Hensel (2016)\" href=\"http:\/\/www.caritas-nrw.de\/cms\/contents\/caritas-nrw.de\/medien\/bilder\/redaktion--herausgeb\/frank-johannes-hense1\/portraet_hensel_frank_johannes_2016_600.png?w=600&amp;h=600&amp;e=y&amp;k=y&amp;c=-1\" target=\"_blank\" rel=\"lightbox\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"no-border\" title=\"Frank Johannes Hensel (2016)\" src=\"http:\/\/cdn3.carinet.de\/cms\/contents\/caritas-nrw.de\/medien\/bilder\/redaktion--herausgeb\/frank-johannes-hense1\/portraet_hensel_frank_johannes_2016_600.png?w=300&amp;h=300&amp;s=Fit&amp;e=y&amp;k=y&amp;c=-1\" alt=\"Portr\u00e4t: Dr. Frank Johannes Hensel\" width=\"215\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Dr. Frank Johannes Hensel &#8211; Foto (c): Caritas NRW<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"icaption_right\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Caritas in\u00a0<abbr title=\"Nordrhein-Westfalen\">NRW<\/abbr>:<\/strong>\u00a0<em>Bereits 1992 hat der nordrhein-westf\u00e4lische Landtag die Einf\u00fchrung von Sozialberichten beschlossen. 2004 wurde der Sozialbericht erstmals als &#8222;Armuts- und Reichtumsbericht&#8220; konzipiert. Wie sind Armut und Reichtum in Nordrhein-Westfalen aktuell verteilt?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><abbr title=\"Doktor\"><strong>Dr.<\/strong><\/abbr><strong>\u00a0Frank\u00a0<abbr title=\"Johannes\">Joh<\/abbr>. Hensel:<\/strong>\u00a0Unterschieden wird im Sozialbericht 2016 zwischen Einkommensreichen und Verm\u00f6gensreichen. Zur ersten Gruppe geh\u00f6ren danach etwas mehr als f\u00fcnf Prozent der Bev\u00f6lkerung, zur zweiten 15 Prozent. Einkommensarm sind 16 Prozent der Bewohner NRWs. Und ganz ohne Verm\u00f6gen stehen 19 Prozent da. Ganz ohne Verm\u00f6gen &#8211; das bedeutet, dass unvorhergesehene Kosten nicht gestemmt werden k\u00f6nnen. Die Waschmaschine ist kaputt, doch f\u00fcr Ersatz fehlt das Geld. Oder mal eben Blumen kaufen, ins Kino oder Schwimmbad gehen &#8211; all das ist oft nicht m\u00f6glich. Die Menschen f\u00fchlen sich abgeh\u00e4ngt vom Rest der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caritas in NRW:<\/strong>\u00a0<em>Welche Bev\u00f6lkerungsgruppen sind besonders betroffen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dr. Frank Joh. Hensel:<\/strong>\u00a0Kinder und Jugendliche trifft es am h\u00e4rtesten. In NRW lebt jedes f\u00fcnfte Kind in einem einkommensarmen Haushalt. Das bedeutet meist, dass die Eltern arbeitslos sind und von Sozialleistungen wie Hartz\u00a0<abbr title=\"vier\">IV<\/abbr>\u00a0leben. Oder das Einkommen ist so gering, dass es durch staatliche Leistungen erst auf Grundsicherungsniveau aufgestockt werden muss. Da h\u00e4ufig die Unterhaltszahlungen des Partners ausbleiben, ist das Armutsrisiko f\u00fcr Alleinerziehende betr\u00e4chtlich erh\u00f6ht. Und auch diejenigen mit keinem oder einem\u00a0 geringen Bildungsabschluss sind \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig arm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caritas in NRW:<\/strong>\u00a0<em>Trotz der gesamtwirtschaftlich guten Lage ist die Einkommensarmut in Nordrhein-Westfalen gegen\u00fcber 2012 und 2007 weiter gestiegen. Woran liegt das?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dr. Frank Joh. Hensel:<\/strong>\u00a0Von der guten Konjunktur haben in erster Linie diejenigen profitiert, die sich in einem festen Anstellungsverh\u00e4ltnis mit einem ordentlichen Tariflohn befinden. Denjenigen, die im Niedriglohnbereich t\u00e4tig sind, kommt der Mindestlohn zwar zugute. Er reicht aber nicht, um beispielsweise die hohen Mieten in den Ballungsgebieten zahlen zu k\u00f6nnen. Damit werden diese Menschen aus vielen interessanten Wohngegenden quasi herausgedr\u00e4ngt. In den gro\u00dfen St\u00e4dten mischen sich Arm und Reich immer weniger &#8211; die Menschen erleben ihre Ausgrenzung jeden Tag hautnah. Viel Armut schafft auch viel Unmut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caritas in NRW:<\/strong>\u00a0<em>Sie selbst haben bei der Vorstellung des Sozialberichts 2012 von der Politik mehr Initiativen zur Eind\u00e4mmung der Armut verlangt. Was hat sich seitdem getan?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dr. Frank Joh. Hensel:<\/strong>\u00a0Der Blick zur\u00fcck ist absolut ern\u00fcchternd. Die Situation ist stabil schlecht. Modellvorhaben wie &#8222;Kein Kind zur\u00fccklassen&#8220; oder Projekte zur Bek\u00e4mpfung der Langzeitarbeitslosigkeit sind zwar gute Ans\u00e4tze, aber viel zu schwach ausgestattet, um bald einmal zu messbaren und durchgreifenden Erfolgen zu f\u00fchren. Allzu h\u00e4ufig wird angenommen, die Menschen seien f\u00fcr ihre Armut selbst verantwortlich und k\u00f6nnten ihr auch nur selbst entkommen. Das ist jedoch ein Trugschluss. Armut ist eben kein individueller Zufall, sondern hat Gr\u00fcnde, die mit politischer Entschiedenheit bek\u00e4mpft werden m\u00fcssen. Die Tatsache, dass Kinder f\u00fcr so viele V\u00e4ter und M\u00fctter ein Armutsrisiko bedeuten, lie\u00dfe sich \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caritas in NRW:<\/strong>\u00a0<em>Armut bedeutet nicht allein materielle Armut. Arm ist, wer nicht am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben teilhaben kann. Die Wohlfahrtsverb\u00e4nde haben immer wieder mehr Engagement und Unterst\u00fctzung f\u00fcr Familien sowie Kinder und Jugendliche gefordert. Bei Bildung und Sozialausgaben d\u00fcrfe nicht gespart werden. Ist das Land auf dem richtigen Weg?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dr. Frank Joh. Hensel:<\/strong>\u00a0Bei der Landesregierung w\u00e4chst zwar das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass fr\u00fcher im Leben angesetzt werden muss, um Armut zu verhindern. Trotz dieser Erkenntnis wird aber der Ausbau der Fr\u00fchen Hilfen f\u00fcr junge Familien nicht energisch vorangetrieben. Auch bei der dringend erforderlichen St\u00e4rkung des als Lern- und Lebensraum zu verstehenden Schulbereichs wird die Finanzierung der offenen Ganztagsschulen zu gro\u00dfen Teilen den freiwilligen Leistungen der Kommunen \u00fcberlassen. Kommunen in der Haushaltssicherung sind dazu gar nicht in der Lage. Da ergeben sich regional erhebliche Unterschiede, die alles andere als Chancengleichheit versprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Caritas in NRW:<\/strong>\u00a0<em>Haben die Wohlfahrtsverb\u00e4nde konkrete Ma\u00dfnahmen und Verbesserungsvorschl\u00e4ge zur Bek\u00e4mpfung der Armut?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dr. Frank Joh. Hensel:<\/strong>\u00a0Auch die Verbesserungsvorschl\u00e4ge sind seit Jahren stabil, obwohl sie einfach umzusetzen w\u00e4ren, wenn die politische Willenskraft daf\u00fcr ausreichen w\u00fcrde. Die Forderungen greifen Bed\u00fcrfnisse der Betroffenen direkt auf<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Kinder und Jugendliche k\u00f6nnen kostenfrei st\u00e4dtische Einrichtungen besuchen, und die Fahrtkosten dorthin entfallen.<\/li>\n<li>Mittagessen in der\u00a0<abbr title=\"Kindertagesst\u00e4tte\">Kita<\/abbr>\u00a0und den Schulen ist Teilhabe und damit kostenfrei.<\/li>\n<li>Der Regelsatz wird so berechnet, dass er auch zum Teilhaben reicht.<\/li>\n<li>Informationen und Dokumente von Verwaltungen und Jobcentern sind verst\u00e4ndlich &#8211; Unterst\u00fctzungen bei der Beantragung der zustehenden Leistungen sind selbstverst\u00e4ndlich.<\/li>\n<li>Etwas langwieriger ist die Verwirklichung der Forderung nach bezahlbarem Wohnraum, aber auch dieses Problem ist durch gezielte F\u00f6rderpolitik anzugehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es braucht mehr Mut und Willen zur Armutsbek\u00e4mpfung, dann l\u00e4sst sich einiges \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fragen von Markus Lahrmann<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ver\u00f6ffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Caritas NRW. Quelle:\u00a0http:\/\/www.caritas-nrw.de\/nachrichten\/2016\/viel-armut-schafft-unmut<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einmal in jeder Legislaturperiode muss die Landesregierung einen Sozialbericht ver\u00f6ffentlichen. Das ist jetzt geschehen. Das Ergebnis: Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich weiter ge\u00f6ffnet. Fragen an den K\u00f6lner Di\u00f6zesan-Caritasdirektor Dr. Frank Johannes Hensel. Caritas in\u00a0NRW:\u00a0Bereits 1992 hat der nordrhein-westf\u00e4lische Landtag die Einf\u00fchrung von Sozialberichten beschlossen. 2004 wurde der Sozialbericht erstmals als &#8222;Armuts- und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_genesis_hide_title":false,"_genesis_hide_breadcrumbs":false,"_genesis_hide_singular_image":false,"_genesis_hide_footer_widgets":false,"_genesis_custom_body_class":"","_genesis_custom_post_class":"","_genesis_layout":"","ngg_post_thumbnail":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[7,3],"tags":[],"class_list":{"0":"post-1808","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-aus-aller-welt","7":"category-news","8":"entry"},"aioseo_notices":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pdR32e-ta","jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1808"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1808\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}