{"id":2227,"date":"2016-11-14T09:35:15","date_gmt":"2016-11-14T08:35:15","guid":{"rendered":"http:\/\/fh-waltrop.de\/?p=2227"},"modified":"2016-11-14T23:27:13","modified_gmt":"2016-11-14T22:27:13","slug":"studie-zur-sozialen-gerechtigkeit-in-europa-aufschwung-am-arbeitsmarkt-kommt-nicht-bei-allen-menschen-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/studie-zur-sozialen-gerechtigkeit-in-europa-aufschwung-am-arbeitsmarkt-kommt-nicht-bei-allen-menschen-an\/","title":{"rendered":"Studie zur sozialen Gerechtigkeit in Europa: Aufschwung am\u00a0 Arbeitsmarkt kommt nicht bei allen Menschen an"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"2060\" data-permalink=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/schule-fur-alle-das-recht-auf-bildung-kennt-keine-ausnahme\/muetterzentrum-sprache-2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache.jpg\" data-orig-size=\"343,560\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"muetterzentrum-sprache\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache.jpg\" class=\"size-full wp-image-2060 alignleft\" src=\"http:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache.jpg\" alt=\"muetterzentrum-sprache\" width=\"343\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache.jpg 343w, https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Angetrieben von einer Erholung auf dem Arbeitsmarkt, haben sich die Teilhabechancen der EU-B\u00fcrger erstmals seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 leicht verbessert.\u00a0<\/b><b>Doch davon profitieren nicht alle. Das Armutsrisiko verharrt in vielen L\u00e4ndern auf hohem Niveau. Kinder und Jugendliche in S\u00fcdeuropa leiden noch immer am st\u00e4rksten unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise.<\/b><\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><u>G\u00fctersloh, 14. November 2016<\/u>. Europa erholt sich langsam von der Wirtschafts- und Finanzkrise. Grund ist ein Aufw\u00e4rtstrend am Arbeitsmarkt. Im Vergleich zum H\u00f6hepunkt der Krise im Jahr 2013 sind wieder deutlich mehr Menschen erwerbst\u00e4tig. Dennoch ist der Anteil sogenannter \u201eworking poor\u201c \u2013 Menschen, die trotz Vollzeitjob von Armut bedroht sind \u2013 gestiegen. Dazu kommt: Besonders Kinder und Jugendliche profitieren zu wenig von der wirtschaftlichen Erholung. In Deutschland bleibt das Armutsrisiko f\u00fcr Vollzeitbesch\u00e4ftigte trotz Wirtschaftsboom stabil. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des Social Justice Index 2016 der Bertelsmann Stiftung. Mit dem Index werden seit 2008 j\u00e4hrlich die sozialen und wirtschaftlichen Teilhabechancen f\u00fcr Menschen in allen 28 EU-Staaten gemessen.<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Dass der EU-weite Negativtrend der letzten Jahre in Sachen Teilhabechancen vorerst gestoppt scheint, liegt in erster Linie an der Aufw\u00e4rtsentwicklung am Arbeitsmarkt. Fast zwei Drittel der EU-B\u00fcrger (215,7 Millionen Menschen) waren 2015 erwerbst\u00e4tig (65,6 Prozent); eine Verbesserung gegen\u00fcber dem Vorjahr (64,8 Prozent). Zugleich ging die Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent (2014) auf 9,6 Prozent (2015) zur\u00fcck. Dennoch liegt die Arbeitslosigkeit in Europa immer noch \u00fcber dem Vorkrisenniveau (7,1 Prozent im Jahr 2008). Gleiches gilt f\u00fcr die Jugendarbeitslosigkeit: EU-weit sind noch immer 4,6 Millionen Jugendliche (20,4 Prozent) arbeitslos (2014: 22,2 Prozent). 2008 waren es lediglich 15,6 Prozent (4,2 Millionen Jugendliche).\u00a0<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><b>Europa paradox: armutsgef\u00e4hrdet trotz Job<\/b><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Der Aufw\u00e4rtstrend am Arbeitsmarkt geht jedoch nicht einher mit einem deutlich sinkenden Armutsrisiko. Noch immer ist fast jeder vierte EU-B\u00fcrger (118 Millionen Menschen oder 23,7 Prozent) von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. 2014 war dieser Wert nur geringf\u00fcgig h\u00f6her (24,4 Prozent). Besonders hoch sind die Werte im S\u00fcden und S\u00fcdosten Europas: In Griechenland (35,7 Prozent der Menschen), Rum\u00e4nien (37,3 Prozent) und Bulgarien (41,3 Prozent) erreicht das Armuts- und Exklusionsrisiko weiterhin systemische Ausma\u00dfe. In Tschechien (14 Prozent), Schweden (16 Prozent), Finnland (16,8 Prozent) und den Niederlanden (16,8 Prozent) ist das Armutsrisiko hingegen am niedrigsten.<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Laut Studienautoren ist auff\u00e4llig, dass die Anzahl der Menschen weiter steigt, die zwar voll erwerbst\u00e4tig, aber dennoch von Armut bedroht sind. 7,8 Prozent der Vollzeitbesch\u00e4ftigten waren 2015 in der EU von Armut bedroht. 2013 waren es noch 7,2 Prozent. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind unter anderem ein wachsender Niedriglohnsektor und eine Spaltung der Arbeitsm\u00e4rkte in regul\u00e4re und atypische Formen von Besch\u00e4ftigung. Der Anstieg der Gruppe sogenannter \u201eworking poor\u201c ist laut Studienautoren besorgniserregend, da die betroffenen Menschen von einer vollwertigen gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen sind.\u00a0 \u201eEin Vollzeitjob muss nicht nur das Einkommen, sondern auch das Auskommen sichern. Ein steigender Anteil von Menschen, die dauerhaft nicht von ihrer Arbeit leben k\u00f6nnen, untergr\u00e4bt die Legitimit\u00e4t unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung\u201c, sagt Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><b>Junge Menschen in S\u00fcdeuropa haben die geringsten Teilhabechancen<\/b><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">In allen 28 EU-L\u00e4ndern sind die Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen noch immer deutlich schlechter ausgepr\u00e4gt als vor der Krise. EU-weit sind 25,2 Millionen (26,9 Prozent) Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. In den Krisenl\u00e4ndern Griechenland, Italien, Spanien, Portugal sind diese Werte sogar noch h\u00f6her: Hier ist im Schnitt jedes dritte Kind (33,8 Prozent) von Armut bedroht. In diesen vier L\u00e4ndern sind damit mehr als 1 Million Kinder und Jugendliche mehr von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht als noch 2008. Besonders dramatisch bleibt die Situation f\u00fcr junge Menschen in Griechenland. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die von schwerwiegender materieller Entbehrung betroffen sind, hat sich dort erneut erh\u00f6ht \u2013 auf inzwischen 25,7 Prozent (2008: 10,4 Prozent). Die s\u00fcdlichen EU-L\u00e4nder haben zus\u00e4tzlich mit dem Problem eines hohen Anteils sogenannter NEETs (Not in Education, Employment or Training) zu k\u00e4mpfen. Diese Jugendlichen (Alter: 20-24 Jahre) leben komplett au\u00dferhalb von Job und Ausbildung und haben somit kaum Chancen auf einen sozialen Aufstieg. In Italien geh\u00f6ren fast ein Drittel der Jugendlichen (31,1 Prozent) dazu. In Griechenland (26,1 Prozent) und Spanien (22,2 Prozent) sind die Werte ebenfalls deutlich \u00fcber dem EU-Durchschnitt (17,3 Prozent).<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Der Index verdeutlicht auch die wachsende Kluft zwischen Jung und Alt. EU-weit sind weit mehr Kinder von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen als \u00e4ltere Menschen (26,9 Prozent zu 17,4 Prozent). W\u00e4hrend fast jedes zehnte Kind in der EU (9,5 Prozent) schwerwiegende materielle Entbehrungen ertragen muss, sind es bei den \u00fcber 65-J\u00e4hrigen 5,5 Prozent. Der Anteil \u00e4lterer Menschen, die von Armut oder sozialer Exklusion bedroht sind, hat sich von 24,4 Prozent im Jahr 2007 auf zuletzt 17,4 Prozent (2015) verringert.<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Aart De Geus sieht in der Situation abgeh\u00e4ngter Jugendlicher eine Gefahr f\u00fcr die Zukunft der Gesellschaft: \u201eDie wachsende Perspektivlosigkeit vieler junger Menschen spielt den erstarkenden populistischen Bewegungen in die H\u00e4nde. Wir d\u00fcrfen nicht riskieren, dass sich die Jugend entt\u00e4uscht und frustriert aus der Gesellschaft zur\u00fcckzieht.\u201c<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\"><b>Trotz guter Werte: Deutschland sch\u00f6pft sein Potenzial nicht aus<\/b><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Deutschland ist vor allem dank seines robusten Arbeitsmarkts vergleichsweise gut aufgestellt und kommt im Gerechtigkeitsindex wie im Vorjahr auf Rang sieben. Deutschland hat europaweit zum Beispiel die niedrigste Jugendarbeitslosenquote (7,2 Prozent). Problematisch sehen die Autoren dennoch das nach wie vor hohe Armutsrisiko sowie Probleme bei der sozialen Durchl\u00e4ssigkeit im Bildungssystem. Auch der EU-weite Trend eines gestiegenen Armutsrisikos trotz Vollzeitjob l\u00e4sst sich in Deutschland feststellen: Ungeachtet der starken Wirtschaftsentwicklung ist der Anteil der von Armut bedrohten Vollzeitbesch\u00e4ftigten von 5,1 Prozent im Jahr 2009 auf 7,1 Prozent im Jahr 2015 gestiegen. Eine leichte Abnahme gegen\u00fcber dem Vorjahr (2014: 7,5%) deutet jedoch auch bereits auf erste Wirkungen der Einf\u00fchrung des Mindestlohns im Jahre 2015 hin.<\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angetrieben von einer Erholung auf dem Arbeitsmarkt, haben sich die Teilhabechancen der EU-B\u00fcrger erstmals seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 leicht verbessert.\u00a0Doch davon profitieren nicht alle. Das Armutsrisiko verharrt in vielen L\u00e4ndern auf hohem Niveau. Kinder und Jugendliche in S\u00fcdeuropa leiden noch immer am st\u00e4rksten unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. \u00a0 G\u00fctersloh, 14. November 2016. 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