{"id":3303,"date":"2017-10-06T14:35:18","date_gmt":"2017-10-06T13:35:18","guid":{"rendered":"http:\/\/fh-waltrop.de\/?p=3303"},"modified":"2017-10-07T19:26:13","modified_gmt":"2017-10-07T18:26:13","slug":"bundestagswahl-2017-wahlergebnis-zeigt-neue-gesellschaftliche-konfliktlinien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/bundestagswahl-2017-wahlergebnis-zeigt-neue-gesellschaftliche-konfliktlinien\/","title":{"rendered":"Bundestagswahl 2017: Wahlergebnis zeigt neue gesellschaftliche Konfliktlinien"},"content":{"rendered":"<p>Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge, hat sich zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten bei einer Bundestagswahl die soziale Spaltung der Wahlbeteiligung sp\u00fcrbar verringert, und zwar infolge der Mobilisierung von Nichtw\u00e4hlern durch die AfD. Gleichzeitig verlieren die etablierten Parteien in der b\u00fcrgerlichen Mitte W\u00e4hler und erreichen im sozial prek\u00e4ren Milieu kaum noch Menschen. Folgt man den Verfassern der Studie, zeigt das Wahlergebnis auch eine neue Konfliktlinie in der Gesellschaft, zwischen Modernisierungsskeptikern und -bef\u00fcrwortern. Diese Spaltung k\u00f6nnte auch in Zukunft die politischen Auseinandersetzungen und Wahlergebnisse pr\u00e4gen. Allerdings gilt auch hier wie bei allen anderen quantitativen Erhebungen: Man erf\u00e4hrt immer nur das, was man auch fragt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"3312\" data-permalink=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/bundestagswahl-2017-wahlergebnis-zeigt-neue-gesellschaftliche-konfliktlinien\/grafik_analyse-bundestagswahl-2017_verteilung-der-wahlberechtigten-auf-die-sinus-milieus_20171006\/\" data-orig-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Grafik_Analyse-Bundestagswahl-2017_Verteilung-der-Wahlberechtigten-auf-die-Sinus-Milieus_20171006.jpg\" data-orig-size=\"2067,2052\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Grafik_Analyse-Bundestagswahl-2017_Verteilung-der-Wahlberechtigten-auf-die-Sinus-Milieus_20171006\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Grafik_Analyse-Bundestagswahl-2017_Verteilung-der-Wahlberechtigten-auf-die-Sinus-Milieus_20171006-300x298.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Grafik_Analyse-Bundestagswahl-2017_Verteilung-der-Wahlberechtigten-auf-die-Sinus-Milieus_20171006-1024x1017.jpg\" class=\"alignleft wp-image-3312 size-full\" src=\"http:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Grafik_Analyse-Bundestagswahl-2017_Verteilung-der-Wahlberechtigten-auf-die-Sinus-Milieus_20171006.jpg\" alt=\"\" width=\"2067\" height=\"2052\" srcset=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Grafik_Analyse-Bundestagswahl-2017_Verteilung-der-Wahlberechtigten-auf-die-Sinus-Milieus_20171006.jpg 2067w, https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Grafik_Analyse-Bundestagswahl-2017_Verteilung-der-Wahlberechtigten-auf-die-Sinus-Milieus_20171006-150x150.jpg 150w, https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Grafik_Analyse-Bundestagswahl-2017_Verteilung-der-Wahlberechtigten-auf-die-Sinus-Milieus_20171006-300x298.jpg 300w, https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Grafik_Analyse-Bundestagswahl-2017_Verteilung-der-Wahlberechtigten-auf-die-Sinus-Milieus_20171006-768x762.jpg 768w, https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Grafik_Analyse-Bundestagswahl-2017_Verteilung-der-Wahlberechtigten-auf-die-Sinus-Milieus_20171006-1024x1017.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 2067px) 100vw, 2067px\" \/><\/p>\n<p>G\u00fctersloh, 6. Oktober 2017. Die soziale Spaltung der Wahlbeteiligung ist 2017 zum ersten Mal seit 1998 wieder sp\u00fcrbar gesunken. Der Grund daf\u00fcr sind vor allem Mobilisierungserfolge der AfD in den sozial prek\u00e4ren Nichtw\u00e4hlerhochburgen. Durch diesen \u201eAfD-Effekt\u201c ist die Wahlbeteiligung in den sozial prek\u00e4ren Stimmbezirken mit der geringsten Wahlbeteiligung \u00fcberdurchschnittlich angestiegen. Parallel zeigt sich eine neue Konfliktlinie der Demokratie, die quer durch die W\u00e4hlerschaft zwischen Modernisierungsskeptikern und -bef\u00fcrwortern verl\u00e4uft. Diese Entwicklungen bleiben nicht ohne Nebeneffekte: Etablierte Parteien verlieren im Milieu der b\u00fcrgerlichen Mitte W\u00e4hler und erreichen im sozial prek\u00e4ren Milieu kaum noch Menschen. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Bertelsmann Stiftung, die erstmals das Wahlverhalten der sozialen Milieus bei einer Bundestagswahl analysiert hat.<\/p>\n<p>Die gestiegene Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl hat zu einer sp\u00fcrbaren Verringerung ihrer sozialen Spaltung gef\u00fchrt. Die soziale Spaltung der Wahlbeteiligung beschreibt, wie stark die Wahlbeteiligung vom sozialen Profil eines Stimmbezirks abh\u00e4ngt. Ist die Wahlbeteiligung in wirtschaftlich und sozial starken Wohnvierteln sehr hoch und gleichzeitig in wirtschaftlich schwachen Vierteln sehr niedrig, ist dies Ausdruck einer hohen sozialen Spaltung der Wahlbeteiligung. Diese Spaltung hat sich 2017 gegen\u00fcber der vergangenen Bundestagswahl auf 26,7 Prozentpunkte verringert (2013: 29,5 Prozentpunkte). \u201eEine derartige Verringerung der sozialen Spaltung haben wir zuletzt 1998 beim Wahlsieg der SPD beobachtet. 2017 ist es vor allem der AfD gelungen, Nichtw\u00e4hler und W\u00e4hler aus sozial prek\u00e4ren Stimmbezirken in gro\u00dfem Stil zu mobilisieren\u201c, erl\u00e4utert Robert Vehrkamp, Demokratieexperte der Bertelsmann Stiftung und Autor der Studie.<\/p>\n<h4>Kampf um die b\u00fcrgerliche Mitte<\/h4>\n<p>Im Kampf um das Milieu der b\u00fcrgerlichen Mitte macht die AfD vor allem der CDU\/CSU Konkurrenz. In diesem Milieu erreichte die AfD ein Ergebnis in H\u00f6he von 20 Prozent aller W\u00e4hlerstimmen, ein Zuwachs gegen\u00fcber 2013 um 14,6 Prozentpunkte. Gleichzeitig hat die CDU\/CSU hier den h\u00f6chsten Verlust aller Parteien in einem Einzelmilieu erlitten (-15 Prozentpunkte). Bei einem gesch\u00e4tzten Nichtw\u00e4hleranteil in H\u00f6he von etwa 24 Prozent haben bei der Bundestagswahl 2017 damit etwa 40 Prozent aller Wahlberechtigten aus der b\u00fcrgerlichen Mitte entweder gar nicht oder die AfD gew\u00e4hlt. Das wirkt sich auch auf die rechnerischen Koalitionsmehrheiten aus: Eine Gro\u00dfe Koalition w\u00fcrde nur noch etwa 42 und eine Jamaika-Koalition nur noch 39 Prozent aller Wahlberechtigten aus der b\u00fcrgerlichen Mitte repr\u00e4sentieren. \u201eDie etablierten Parteien verlieren in der b\u00fcrgerlichen Mitte deutlich an Terrain. Der Kampf um die Mitte hat sich massiv versch\u00e4rft\u201c, so Vehrkamp.<\/p>\n<h4>Erosion der etablierten Parteien im sozial prek\u00e4ren Milieu<\/h4>\n<p>Im sogenannten Milieu der Prek\u00e4ren, einem Milieu der sozialen Unterschicht, verl\u00e4uft der demokratische Erosionsprozess der etablierten Parteien inzwischen rasant. In diesem Milieu lag die gesch\u00e4tzte Wahlbeteiligung bei nur etwa 58 Prozent aller Wahlberechtigten und damit fast 20 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Gesamtwahlbeteiligung. Gleichzeitig kam die AfD im prek\u00e4ren Milieu auf ihr st\u00e4rkstes Ergebnis in H\u00f6he von 28 Prozent aller W\u00e4hlerstimmen. Damit haben in diesem Milieu gut 63 Prozent aller Wahlberechtigten entweder gar nicht, eine sonstige Partei oder die AfD gew\u00e4hlt. \u201eIn keinem anderen Milieu ist der Erosionsprozess der etablierten Parteien und die Dominanz der Nicht- und Protestw\u00e4hler so weit fortgeschritten wie im prek\u00e4ren Milieu\u201c, kommentiert Klaudia Wegschaider, Demokratieexpertin der Bertelsmann Stiftung und Mitautorin der Studie.<\/p>\n<h4>Neue Konfliktlinie der Demokratie<\/h4>\n<p>Dar\u00fcber hinaus zeigen die Ergebnisse eine neue Konfliktlinie der Demokratie: Die Spaltung der W\u00e4hlerschaft verl\u00e4uft mittlerweile zwischen den Skeptikern und Bef\u00fcrwortern der Modernisierung und hat auch das Wahlverhalten bei der Bundestagswahl entscheidend gepr\u00e4gt. In modernisierungsskeptischen Milieus identifizieren sich die Menschen mit Begriffen wie \u201eTradition\u201c oder \u201eBesitzstandswahrung\u201c. F\u00fcr modernisierungsoffene Milieus sind dagegen \u201eGrenz\u00fcberwindungen\u201c und \u201eBeschleunigung\u201c pr\u00e4gende Begriffe. Knapp zwei Drittel aller AfD-W\u00e4hler (65 Prozent) kommen aus Milieus, die eher modernisierungsskeptisch sind: \u201eDie AfD wurde ganz \u00fcberwiegend von Menschen gew\u00e4hlt, die der sozialen und kulturellen Modernisierung zumindest skeptisch gegen\u00fcberstehen\u201c, so Vehrkamp. Damit hat die AfD im Parteienspektrum ein Alleinstellungsmerkmal. Denn die W\u00e4hler aller anderen im Bundestag vertretenen Parteien geh\u00f6ren mehrheitlich einem der Milieus der Modernisierungsbef\u00fcrworter an: knapp 52 Prozent der W\u00e4hler der CDU\/CSU, gut 56 Prozent bei der SPD und 59 Prozent bei der FDP. Bei den Linken sind es bereits 62 Prozent und bei den Gr\u00fcnen 72 Prozent. Die W\u00e4hler der Gr\u00fcnen weisen damit den h\u00f6chsten Anteil aus den Milieus aus, die der sozialen und kulturellen Modernisierung der Gesellschaft eher positiv gegen\u00fcber stehen.<\/p>\n<p>Nach diesen Ergebnissen w\u00fcrden bei einer Gro\u00dfen Koalition aus CDU\/CSU und SPD 53 Prozent ihrer W\u00e4hler aus den Milieus der Modernisierungsbef\u00fcrworter stammen, und 47 Prozent aus den Milieus der Modernisierungsskeptiker. Bei einer Jamaika-Koalition w\u00fcrde dieses Verh\u00e4ltnis mit 57 zu 43 Prozent deutlicher zugunsten der modernisierungsfreundlichen Milieus ausfallen. Ob und wie sehr daraus ein Konflikt der AfD gegen das etablierte Parteiensystem entstehe, sei noch v\u00f6llig offen. Viele der anstehenden politischen Kontroversen k\u00f6nnten allerdings entlang dieser Konfliktlinie verlaufen und ausgetragen werden, so Vehrkamp.<\/p>\n<div><u>Zusatzinformationen<\/u><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Die vorliegende Studie untersucht die Wahlbeteiligung und das Wahlverhalten der Sinus-Milieus bei der Bundestagswahl 2017. Daf\u00fcr kombiniert sie eine Aggregatanalyse auf Basis kleinr\u00e4umiger Stimmbezirke mit den Ergebnissen einer repr\u00e4sentativen Nachwahlumfrage. Die Aggregatanalyse basiert auf einer Stichprobe der 621 bundesweit repr\u00e4sentativen Stimmbezirke von infratest dimap. F\u00fcr die Nachwahlbefragung wurden in der Woche nach der Bundestagswahl \u00fcber das YouGov-Online-Panel 10.271 Personen zu ihrem Wahlverhalten bei der Bundestagswahl 2017 befragt. Die in der Studie beschriebenen Milieus bezeichnen die sogenannten \u201eSinus-Milieus\u201c, die vom Sinus Institut definiert sind. Alle in der Studie verwendeten Befragungsergebnisse sind repr\u00e4sentativ.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge, hat sich zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten bei einer Bundestagswahl die soziale Spaltung der Wahlbeteiligung sp\u00fcrbar verringert, und zwar infolge der Mobilisierung von Nichtw\u00e4hlern durch die AfD. Gleichzeitig verlieren die etablierten Parteien in der b\u00fcrgerlichen Mitte W\u00e4hler und erreichen im sozial prek\u00e4ren Milieu kaum noch Menschen. 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