{"id":3375,"date":"2017-10-23T10:24:27","date_gmt":"2017-10-23T09:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/fh-waltrop.de\/?p=3375"},"modified":"2017-10-23T10:26:47","modified_gmt":"2017-10-23T09:26:47","slug":"kinderarmut-ist-in-deutschland-oft-dauerzustand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/kinderarmut-ist-in-deutschland-oft-dauerzustand\/","title":{"rendered":"Kinderarmut ist in Deutschland oft Dauerzustand\u00a0"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\"><b>Kinder, die einmal von Armut betroffen sind, bleiben es meistens l\u00e4nger: Zwei Drittel der betroffenen Kinder leben dauerhaft oder wiederkehrend in einer Armutslage; nur ein Drittel von ihnen erlebt das als tempor\u00e4re Erfahrung.<\/b><\/div>\n<div align=\"center\"><b>Neue familienpolitische Instrumente k\u00f6nnen helfen, allen Kindern die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu geben.<\/b><\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"2060\" data-permalink=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/schule-fur-alle-das-recht-auf-bildung-kennt-keine-ausnahme\/muetterzentrum-sprache-2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache.jpg\" data-orig-size=\"343,560\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"muetterzentrum-sprache\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache.jpg\" class=\"size-full wp-image-2060 aligncenter\" src=\"http:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache.jpg\" alt=\"\" width=\"343\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache.jpg 343w, https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Muetterzentrum-Sprache-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/>\u00a0<\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div><u>G\u00fctersloh 23.10.2017.<\/u>\u00a0Rund 21 Prozent aller Kinder in Deutschland leben \u00fcber eine Zeit\u00adspanne von mindestens f\u00fcnf Jahren dauerhaft oder wiederkehrend in einer Armutslage. F\u00fcr weitere 10 Prozent ist dies ein kurzzeitiges Ph\u00e4nomen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie des Instituts f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag der Bertels\u00admann Stiftung. \u201eKinderarmut ist in Deutschland ein Dauerzustand. Wer einmal arm ist, bleibt lange arm. Zu wenige Familien k\u00f6nnen sich aus Armut befreien\u201c, so J\u00f6rg Dr\u00e4ger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\u00dcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Jahren hinweg haben die Forscher j\u00e4hrlich die Einkommenssitu\u00adation von Familien untersucht. In einer Armutslage leben laut Definition in dieser Studie Kin\u00adder in Familien, die entweder mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushalts\u00adnettoeinkommens auskommen m\u00fcssen oder staatliche Grundsicherungsleistungen beziehen. Im Ergebnis lassen sich drei besonders gef\u00e4hrdete Gruppen differenzieren: Kinder von allein\u00aderziehenden Eltern, solche mit mindestens zwei Geschwistern oder mit geringqualifizierten Eltern sind \u00fcberproportional h\u00e4ufig betroffen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><b>Armut bedeutet f\u00fcr Kinder eine Abkopplung vom gesellschaftlichen Leben<\/b><\/div>\n<div>Armut bedeutet in Deutschland meist nicht, kein Dach \u00fcber dem Kopf oder kein Essen zu ha\u00adben \u2013 die existenzielle Grundversorgung ist in der Regel gew\u00e4hrleistet. Armut hei\u00dft aber, auf vieles verzichten zu m\u00fcssen, was f\u00fcr andere ganz normal zum Aufwachsen und Leben dazu geh\u00f6rt. Um solche Verzichtserfahrungen von Kindern in armen Familien greifbar zu machen, wurde f\u00fcr 23 G\u00fcter und Aspekte sozialer Teilhabe abgefragt, ob diese in den Familien aus fi\u00adnanziellen Gr\u00fcnden fehlen. Die Liste umfasst eine ausreichend gro\u00dfe Wohnung, eine Wasch\u00admaschine oder einen internetf\u00e4higen Computer, aber auch die M\u00f6glichkeit, monatlich einen festen Betrag sparen zu k\u00f6nnen. Auch Aspekte sozialer und kultureller Teilhabe sind ber\u00fcck\u00adsichtigt, wie z. B. ein Kinobesuch einmal im Monat oder Freunde zum Essen nach Hause ein\u00adzuladen. In der Summe fehlen Kindern in einer dauerhaften Armutslage durchschnittlich 7,3 der abgefragten G\u00fcter. Kinder, die tempor\u00e4r in einer Armutslage leben, m\u00fcssen im Schnitt auf 3,4 G\u00fcter verzichten. Zum Vergleich: Bei Kindern aus Familien mit dauerhaft sicherem Ein\u00adkommen fehlen nur 1,3 dieser 23 G\u00fcter aus finanziellen Gr\u00fcnden.<\/div>\n<div><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div>\u201eArmut schlie\u00dft Kinder von vielen sozialen und kulturellen Aktivit\u00e4ten aus. Wer schon als Kind arm ist und nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, hat auch in der Schule nach\u00adweisbar schlechtere Chancen. Das verringert die M\u00f6glichkeit, sp\u00e4ter ein selbstbestimmtes Le\u00adben au\u00dferhalb von Armut zu f\u00fchren\u201c, so Dr\u00e4ger.<\/div>\n<div><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><b>Sozialpolitik vom Kind her denken<\/b><\/div>\n<div>Die heutige Sozialpolitik k\u00f6nne nicht sicherstellen, Kindern Wege aus der Armut zu er\u00f6ffnen. \u201eDie zuk\u00fcnftige Familien- und Sozialpolitik muss die Vererbung von Armut durchbrechen. Kin\u00adder k\u00f6nnen sich nicht selbst aus der Armut befreien \u2013 sie haben deshalb ein Anrecht auf eine Existenzsicherung, die ihnen faire Chancen und ein gutes Aufwachsen erm\u00f6glicht\u201c, betont Dr\u00e4ger. Er fordert deshalb einen Paradigmenwechsel: Die Bedarfe von Kindern und Jugendli\u00adchen f\u00fcr gutes Aufwachsen und individuelle Entfaltung sollten in den Mittelpunkt des fami\u00adlienpolitischen Handelns ger\u00fcckt werden. Bislang werden Kinder vom Gesetzgeber und dem Sozialgesetzbuch wie \u00b4kleine Erwachsene\u00b4 behandelt. Neue sozial- und familienpolitische In\u00adstrumente, die Armut entgegenwirken und Kinder gezielt unterst\u00fctzen, sollten auf drei S\u00e4ulen basieren: Erstens m\u00fcssen die Bedarfe und Interessen von Kindern systematisch erfasst wer\u00adden. Zweitens sollte auf dieser Grundlage eine neue finanzielle Leistung f\u00fcr Kinder geschaffen werden, die bisherige familienpolitische Leistungen b\u00fcndelt und vor allem armen Kindern un\u00adb\u00fcrokratisch hilft. Drittens brauchen Kinder und Familien vor Ort gute Bildungs- und Freizeit\u00adangebote und passgenaue Unterst\u00fctzung. Notwendig sind daf\u00fcr Anlaufstellen in ihrem Stadt\u00adteil, die verl\u00e4ssliche Ansprechpartner in allen Belangen rund um Kinder und Familien sind und Zug\u00e4nge zu den Angeboten vor Ort sichern.<\/div>\n<div><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><u>Zusatzinformationen<\/u><\/div>\n<div>Die Studie ist Teil des Projektes \u201eLebensumst\u00e4nde von Kindern im unteren Einkommensbe\u00adreich\u201c des IAB im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Datengrundlage ist das repr\u00e4sentative \u201ePanel Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung\u201c (PASS), in dem seit 2006 j\u00e4hrlich ca. 15.000 Per\u00adsonen ab 15 Jahren befragt wurden. F\u00fcr die vorliegende Studie konnten f\u00fcr 3.180 Kinder In\u00adformationen \u00fcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Jahren ausgewertet werden. Zu jedem der f\u00fcnf Be\u00adobachtungszeitpunkte wird die Einkommenssituation f\u00fcr den Haushalt des jeweiligen Kindes betrachtet, so dass w\u00e4hrend des Zeitraums Wechsel in und aus Armutslagen sowie die Dauer von Armutsepisoden beobachtet werden k\u00f6nnen.<\/div>\n<div>Um das Ausma\u00df von Kinderarmut zu beschreiben, werden in der Studie zwei in der Wissen\u00adschaft g\u00e4ngige Konzepte zugrunde gelegt: Als armutsgef\u00e4hrdet gelten Kinder, die in einem Haushalt mit einem Nettoeinkommen unter der Armutsgef\u00e4hrdungsschwelle, also weniger als 60 Prozent des \u00e4quivalenzgewichteten Medianeinkommens, leben. Zudem wird der SGB-II-Leistungsbezug als Armutslage ber\u00fccksichtigt.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder, die einmal von Armut betroffen sind, bleiben es meistens l\u00e4nger: Zwei Drittel der betroffenen Kinder leben dauerhaft oder wiederkehrend in einer Armutslage; nur ein Drittel von ihnen erlebt das als tempor\u00e4re Erfahrung. 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