{"id":3596,"date":"2018-02-18T23:46:36","date_gmt":"2018-02-18T22:46:36","guid":{"rendered":"http:\/\/fh-waltrop.de\/?p=3596"},"modified":"2018-02-19T11:48:55","modified_gmt":"2018-02-19T10:48:55","slug":"vom-streben-nach-gluck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/vom-streben-nach-gluck\/","title":{"rendered":"Vom Streben nach Gl\u00fcck\u00a0"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3597\" aria-describedby=\"caption-attachment-3597\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"3597\" data-permalink=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/vom-streben-nach-gluck\/vomstrebennach-gluck\/\" data-orig-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/VomStrebennach-Gl\u00fcck.jpg\" data-orig-size=\"2100,1478\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;Auswanderhaus Bremerhaven&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"VomStrebennach Gl\u00fcck\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/VomStrebennach-Gl\u00fcck-300x211.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/VomStrebennach-Gl\u00fcck-1024x721.jpg\" class=\"wp-image-3597 size-large\" src=\"http:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/VomStrebennach-Gl\u00fcck-1024x721.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"721\" srcset=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/VomStrebennach-Gl\u00fcck-1024x721.jpg 1024w, https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/VomStrebennach-Gl\u00fcck-300x211.jpg 300w, https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/VomStrebennach-Gl\u00fcck-768x541.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3597\" class=\"wp-caption-text\">Einschiffen auf ein Auswandererschiff in Bremerhaven. Foto: Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Waltrop (lwl)<\/b>. &#8222;Hier lebt man besser als in Deutschland&#8220;, berichtete 1830 der Amerika-Auswanderer Peter Horn aus Pennsylvania in einem Brief an seine Eltern. Wohlstand, Freiheit, Abenteuer &#8211; das waren die Hoffnungen, die \u00fcber 300.000 Menschen aus Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert dazu bewogen, in den USA ein neues Leben zu beginnen. Die Ausstellung &#8222;Vom Streben nach Gl\u00fcck&#8220;, die der Landschaftsverband Westfalen von Donnerstag\u00a0<b>(15.2.) bis zum 4. November<\/b>\u00a0in seinem Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop pr\u00e4sentiert, beleuchtet die Ursachen, zeichnet Reisewege nach und schildert die Biografien westf\u00e4lischer Emigranten.<\/p>\n<p>Das Spektrum der \u00fcber 100 Exponate reicht von Fotos und Postkarten \u00fcber ein Schiffsmodell bis hin zu pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nden der Auswanderer. Das Begleitprogramm umfasst einen genealogischen Workshop und Vortr\u00e4ge rund um die Themen Auswanderung, Familienforschung und die USA.<\/p>\n<p><b>Waltroper Lebensl\u00e4ufe<\/b><\/p>\n<p>Im Schiffshebewerk Henrichenburg werden auch zwei Auswandererbiographien aus Waltrop vorgestellt: die Geschichten von\u00a0<b>Carl Leppelmann<\/b>\u00a0und der\u00a0<b>Familie Felling<\/b>. Leppelmann war der Amtmann in Waltrop. Er erwarb sich einen zweifelhaften Ruf, indem er Gelder unterschlug und nicht durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Gr\u00fcndlichkeit bei der Erledigung seiner st\u00e4dtischen Gesch\u00e4fte gl\u00e4nzte. Im Jahr 1863 hatten sich zu viele Eskapaden angesammelt. Leppelmann sollte zur Rechenschaft gezogen werden, wof\u00fcr er steckbrieflich gesucht wurde. Doch der Waltroper kam seinen H\u00e4schern zuvor und setzte sich \u00fcber den Atlantik ab &#8211; samt der Stadtkasse, die 5.000 Taler enthielt. Mit seiner Familie gr\u00fcndete er eine neue Existenz in den USA. Als Charles Leppelmann, einer amerikanisierten Form des Vornamens, wurde er als Architekt t\u00e4tig. Ob er je eine Ausbildung daf\u00fcr genoss, ist unbekannt. Ein Haus, das er als Vereinsheim f\u00fcr einen deutschen Turnverein in St. Louis erbaute, wurde sp\u00e4ter ein Kino.<\/p>\n<p>Wie viele Westfalen siedelte sich auch die Fellings im Mittleren Westen an. Fast eine Million Deutsche fanden in den Staaten Wisconsin, Ohio, Iowa und Minnesota eine neue Heimat.\u00a0<b>Johann Theodor Felling<\/b>\u00a0war der zweitgeborene Sohn einer Bauernfamilie aus Oberwiese. Er hatte keine Chance, den v\u00e4terlichen Betrieb zu erben. Deshalb entschied er sich 1848, in die USA \u00fcberzusiedeln. Im gleichen Jahrzehnt wanderten 30 weitere Waltroper nach Nordamerika aus. Die Nachfahren der Familie, die den gleichnamigen Bauernhof in Oberwiese besessen haben, leben noch heute in den USA: Es gibt dort \u00fcber 200 Tr\u00e4ger des Namens &#8222;Felling&#8220;. Tom Felling, der Urenkel von Theodor Johann, machte sich 1992 auf die Suche nach den Urspr\u00fcngen seiner Familie. Der in Minneapolis t\u00e4tige Lehrer entdeckte im Gebetbuch seines Gro\u00dfonkels Joseph den Eintrag &#8222;Oberwiese, Waltrop&#8220; und nahm Kontakt in die alte Heimat auf. 2009 trug er sich in das Goldene Buch der Stadt Waltrop ein.<\/p>\n<p><b>Fluchtursachen<\/b><br \/>\nNicht nur wirtschaftliche Not, die vor allem in den l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Regionen Westfalens der Hauptgrund f\u00fcr die Auswanderung war, trieb die Menschen in die Ferne. Auch politische Gr\u00fcnde bewogen die Menschen dazu, ihre Heimat in Deutschland zu verlassen. Das Streben nach politischer Freiheit brachte nach der Niederschlagung der demokratischen Revolution in Deutschland 1848\/49 viele Aktivisten und Freidenker aus Westfalen in die USA. Die Vereinigten Staaten galten damals als das Vorzeigeland der B\u00fcrgerrechte, als Vork\u00e4mpfer f\u00fcr Freiheit und Gleichheit. Zu den Aktivisten, die nach dem Scheitern der Revolution nach Amerika emigrierten, geh\u00f6rten unter anderem die B\u00fcrgerrechtlerin\u00a0<b>Mathilde Franziska Anneke<\/b>\u00a0aus Hiddinghausen bei Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis) oder der Maler\u00a0<b>Carl Schlickum<\/b>\u00a0aus Hagen.<\/p>\n<p>Agenten vermittelten den Ausreisewilligen die Schiffsfahrkarten f\u00fcr die \u00dcberfahrt in die USA. Die Reise begann meist in den beiden gro\u00dfen deutschen Auswandererh\u00e4fen in Bremerhaven und Hamburg. Das Modell eines Auswandererschiffes aus dem Deutschen Technikmuseum in Berlin sowie Postkarten und Werbeplakate der Reedereien zeigen in der Ausstellung, wie diese Schiffe aussahen.<\/p>\n<p><b>Die Deutschen in der Neuen Welt<\/b><br \/>\nZu Beginn des Ersten Weltkrieges hatten \u00fcber acht Millionen Menschen in Nordamerika deutsche Vorfahren. Sie lebten als Farmer in den n\u00f6rdlichen Staaten des Mittleren Westens, waren aktiv in der Kultur, in der Politik und im Wirtschaftleben der Vereinigten Staaten. Vor allem der Bundestaat Indiana mit seiner Hauptstadt Indianapolis wurde zu einem Zentrum deutschen Wirkens. In Fort Wayne brauten und vertrieben die Dortmunder\u00a0<b>Berghoff-Br\u00fcder<\/b>\u00a0&#8222;Dortmunder Beer&#8220;. Clemens Vonnegut aus M\u00fcnster brachte es mit einem Haushalts- und Eisenwarenhandel in kurzer Zeit zu Reichtum. Und\u00a0<b>William Edward Boeing<\/b>, Sohn eines Einwanderers aus dem heutigen Hagen, gelang es gar, einen Weltkonzern aufzubauen.<\/p>\n<p>Neben Knowhow brachten die Deutschen auch das Vereinswesen mit in die neue Heimat: In den meisten St\u00e4dten des Mittleren Westens gab es M\u00e4nnerch\u00f6re und Turnvereine, auch Karneval wurde gefeiert.<\/p>\n<p>Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg ver\u00e4nderte sich das Verh\u00e4ltnis zwischen Amerikanern und Deutschen. &#8222;Die hoch geachteten und von manchen auch beneideten deutschen Eliten gerieten in den USA stark unter Druck. Viele lie\u00dfen ihre Familiennamen amerikanisieren. Deutsche Zeitungen, deutschsprachige Reklametafeln und deutsche Br\u00e4uche verschwanden binnen weniger Wochen aus der \u00d6ffentlichkeit. Das war ein entscheidender Einschnitt, von dem sich die deutsche Gemeinschaft kaum wieder erholen konnte&#8220;, verr\u00e4t der Leiter des LWL-Industriemuseums Schiffshebewerk Henrichenburg, Dr. Arnulf Siebeneicker.<\/p>\n<p>Ein eigenes Kapitel widmet die Ausstellung dem Thema Vertreibung und Verfolgung nach 1933. So wanderten \u00fcber 120.000 deutsche Intellektuelle und Juden nach der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten nach Amerika aus.<\/p>\n<p><b>Ein Thema f\u00fcr die Gegenwart<\/b><br \/>\nAuch Diskussionen \u00fcber zeitgen\u00f6ssische Entwicklungen kann der Blick in die Geschichte der Amerika-Auswanderung anregen. &#8222;Die Parallelen zu aktuellen Fragen von Migration und Integration sind in dieser Ausstellung offensichtlich. Das LWL-Industriemuseum versteht sich dabei als Forum, in dem gesellschaftlich relevante Themen zur Diskussion gestellt werden&#8220;, erkl\u00e4rt Direktor Dirk Zache. Zwar seien die Deutschen damals nicht vor einem B\u00fcrgerkrieg geflohen, wohl aber aus einer hoffnungslosen Lebenssituation, die ihnen weder Auskommen noch berufliche Perspektive in ihrer Heimat bot.<\/p>\n<p><b>Katalog<\/b><br \/>\nVom Streben nach Gl\u00fcck. 200 Jahre Auswanderung aus Westfalen nach Amerika, hrsg. vom LWL-Industriemuseum und Willi Kulke, Essen 2016 (Klartext Verlag), 164 Seiten, 14,95 Euro.<\/p>\n<p><b>Begleitprogramm (Februar bis Oktober 2018)<\/b><\/p>\n<p><b>Jeden ersten und dritten Sonntag des Monats: Freie F\u00fchrung durch die Ausstellung.<\/b><br \/>\nDie F\u00fchrungen beginnen um 14:30 Uhr im Sonderausstellungsgeb\u00e4ude. Nur Museumseintritt.<\/p>\n<p><b>18.2.2018, 14 Uhr: Kuratorenf\u00fchrung<\/b><br \/>\nMit Phillip Berg. Nur Museumseintritt.<\/p>\n<p><b>11.3.2018, 14 &#8211; 18 Uhr: Workshop &#8222;Familiengeschichtliche Datenbanken&#8220;<\/b><br \/>\nDie genealogisch-heraldische Arbeitsgemeinschaft Roland zu Dortmund e.V. erkl\u00e4rt die Benutzung von Ahnendatenbanken und steht mit Rat und Tat zur Seite. Nur Museumseintritt, um Wartezeiten zu vermeiden, wird um Anmeldung gebeten: 02363 9707-0.<\/p>\n<p><b>15.5.2018, 19 Uhr: Vortrag &#8222;Aus Westfalen nach Amerika. 200 Jahre Auswanderungen&#8220;<\/b><br \/>\nVortrag von Dietmar Osses, Museumsleiter des LWL-Industriemuseums Zeche Hannover in Bochum, \u00fcber Ursachen und Folgen der Amerika-Auswanderung. Eintritt frei.<\/p>\n<p><b>30.6.2018, 18 Uhr: ExtraSchicht<\/b><br \/>\n\u00dcber dem Schiffshebewerk z\u00fcndet eine Feuer-Show, das BBQ-Team &#8222;Gourmonds&#8220; veranstaltet ein Show-Grillen, und der Ufa-Film &#8222;Metropolis&#8220; wird mit Live-Musik vorgef\u00fchrt. Au\u00dferdem werden Dampferfahrten geboten. Sondereintritt mit ExtraSchicht-Ticket.<\/p>\n<p><b>3.7.2018, 19 Uhr: Vortrag &#8222;Onkel in Amerika? Auf den Spuren der eigenen Vergangenheit&#8220;<\/b><br \/>\nDie genealogisch-heraldische Arbeitsgemeinschaft Roland zu Dortmund e.V. verr\u00e4t Tipps und Tricks f\u00fcr den Einstieg in die Ahnenforschung. Diese Veranstaltung findet im Sonderausstellungsgeb\u00e4ude statt. Eintritt frei.<\/p>\n<p><b>14.8.2018, 19 Uhr: Vortrag &#8222;Auswanderung von Waltrop nach Amerika&#8220;<\/b><br \/>\nNorbert Frey vom Waltroper Heimatmuseum stellt Bewohner Waltrops vor, die ihr Gl\u00fcck in der Neuen Welt suchten. Eintritt frei.<\/p>\n<p><b>18.9.2018, 19 Uhr: Vortrag &#8222;Wie das BBQ nach Waltrop kam&#8220;<\/b><br \/>\nMathias Wagener vom LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg ist zugleich Mitglied des Grillteams &#8222;Gourmonds&#8220;. Er berichtet \u00fcber die amerikanische Grillkultur. Eintritt frei.<\/p>\n<p><b>28.10.2018, 14 Uhr: Vortrag &#8222;Die Verwandtschaft von Western und Science-Fiction&#8220;<\/b><br \/>\nPassend zum Star-Wars-Tag stellt Kurator Phillip Berg die enge Beziehung zwischen zwei beliebten Filmgenres vor. Eintritt in Kost\u00fcmierung frei, sonst Museumseintritt.<\/p>\n<p><b><i>Vom Streben nach Gl\u00fcck<br \/>\n200 Jahre Auswanderung aus Westfalen nach Amerika<\/i><\/b><br \/>\n15. Februar bis 4. November 2018<br \/>\nLWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg<br \/>\nAm Hebewerk 26 in 45731 Waltrop<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Waltrop (lwl). &#8222;Hier lebt man besser als in Deutschland&#8220;, berichtete 1830 der Amerika-Auswanderer Peter Horn aus Pennsylvania in einem Brief an seine Eltern. Wohlstand, Freiheit, Abenteuer &#8211; das waren die Hoffnungen, die \u00fcber 300.000 Menschen aus Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert dazu bewogen, in den USA ein neues Leben zu beginnen. 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