{"id":4170,"date":"2019-03-26T14:48:24","date_gmt":"2019-03-26T13:48:24","guid":{"rendered":"http:\/\/fh-waltrop.de\/?p=4170"},"modified":"2019-03-26T14:48:26","modified_gmt":"2019-03-26T13:48:26","slug":"deutscher-sozialstaat-braucht-mehr-als-hohere-geburten-und-zuwanderungszahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/deutscher-sozialstaat-braucht-mehr-als-hohere-geburten-und-zuwanderungszahlen\/","title":{"rendered":"Deutscher Sozialstaat braucht mehr als h\u00f6here Geburten- und Zuwanderungszahlen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Geburten und Zuwanderung gelten als wesentliche Stellschrauben, um der demografischen Alterung entgegenzuwirken. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt jedoch, dass selbst deutlich h\u00f6here Zuwanderungs- und Geburtenzahlen die bevorstehenden Herausforderungen f\u00fcr die sozialen Sicherungssysteme allein kaum beeinflussen k\u00f6nnen. Nur mit einem Ma\u00dfnahmen-Mix lassen sich negative Effekte abfedern.<\/strong>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"343\" height=\"560\" data-attachment-id=\"1906\" data-permalink=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/index.php\/fluchtlingshilfe-im-mutterzentrum\/muetterzentrum-sprache\/\" data-orig-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Muetterzentrum-Sprache.jpg\" data-orig-size=\"343,560\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Muetterzentrum Sprache\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Foto: Privat&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Muetterzentrum-Sprache-184x300.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Muetterzentrum-Sprache.jpg\" src=\"http:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Muetterzentrum-Sprache.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1906\" srcset=\"https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Muetterzentrum-Sprache.jpg 343w, https:\/\/fh-waltrop.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Muetterzentrum-Sprache-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/><figcaption>Foto: Privat<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>G\u00fctersloh, 14. M\u00e4rz 2019.\u00a0In den n\u00e4chsten 20 Jahren wird die Bev\u00f6lkerung in Deutschland stark altern. Unabh\u00e4ngig davon, ob die demografischen Trends der letzten 40 Jahre anhalten oder sich Geburten- und Zuwanderungszahlen deutlich erh\u00f6hen, steigen die Ausgaben der sozialen Sicherung dadurch bis 2045 von derzeit 890 Milliarden Euro auf etwa 1,6 Billionen Euro (in Preisen von 2017). Auch danach ist keine Entspannung in Sicht. Um das zu finanzieren, w\u00fcrden nach derzeitigem Rechtsstand die j\u00fcngeren Generationen immer st\u00e4rker belastet: F\u00fcr die im Jahr 2010 Geborenen steigen die durchschnittlichen Beitragss\u00e4tze auf \u00fcber 50 Prozent der beitragspflichtigen Einkommen. Das sind die Ergebnisse einer Studie, die Martin Werding und Benjamin L\u00e4pple von der Universit\u00e4t Bochum im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt haben. Ziel der Studie ist es, anhand zahlreicher Langfrist-Simulationen zu untersuchen, ob mehr Geburten und Zuwanderung den seit langem absehbaren demografischen Alterungsprozess in Deutschland \u00fcberhaupt noch deutlich abmildern oder sogar aufhalten k\u00f6nnen, und welche Effekte ein Ma\u00dfnahmen-Mix wann entfalten k\u00f6nnte.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zuwanderung und Geburten halten die Alterung kaum auf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend aktuell auf 100 Personen zwischen 15 und 64 Jahren etwa 33 Personen \u00fcber 65 Jahre kommen, werden es 2035 etwa 50 \u00c4ltere sein. Selbst wenn die durchschnittliche Kinderzahl je Frau ab dem n\u00e4chsten Jahr auf 2,0 steigen und sich bis 2040 weiter auf 2,2 erh\u00f6hen w\u00fcrde, h\u00e4tte das auf den starken Alterungsprozess bis 2035 keinen Einfluss. Denn mehr Geburten wirken erst dann positiv auf die demografische Alterslast, wenn die zus\u00e4tzlich geborenen Kinder ihr 15. Lebensjahr vollendet haben und erwerbsf\u00e4hig sind.\u00a0Durch steigende Zuwanderungszahlen wiederum l\u00e4sst sich der Alterungsprozess zwar zun\u00e4chst abd\u00e4mpfen. Langfristig altern jedoch auch die Zuwanderer oder wandern wieder ab. Bleiben die Wanderungssalden nicht dauerhaft hoch, versch\u00e4rft sich der Alterungsprozess langfristig sogar noch.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>J\u00fcngere Generationen werden immer st\u00e4rker belastet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Besorgniserregend ist den Autoren zufolge, dass selbst unter der weniger realistischen Variante mit hoher Geburtenrate und hoher Immigration die Ausgaben in der sozialen Sicherung substanziell steigen werden. Sie klettern bis 2045 von insgesamt gut 27 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Jahr 2017 (rund 890 Milliarden Euro) auf rund 33 Prozent (rund 1,6 Billionen Euro), mit anschlie\u00dfend weiter steigender Tendenz. Auch daran \u00e4ndern mehr Geburten kaum etwas.\u00a0\u00a0Grund hierf\u00fcr ist, dass sie unmittelbar die Ausgaben f\u00fcr Bildung und Familie erh\u00f6hen, w\u00e4hrend sie die Belastung durch Ausgaben f\u00fcr \u00e4ltere Personen erst l\u00e4ngerfristig d\u00e4mpfen. Unter diesen Bedingungen m\u00fcsste ein im Jahr 2010 geborener Durchschnittsverdiener im Vergleich zu einem 1970 Geborenen mit identischem Brutto-Lebenseinkommen im Verlauf seines Erwerbslebens insgesamt etwa 171.000 Euro mehr Sozialbeitr\u00e4ge zahlen, um die gleichen Leistungen zu beziehen. Die gesamten Sozialbeitr\u00e4ge eines Erwerbslebens w\u00fcrden damit von durchschnittlich rund 570.000 Euro (Jahrgang 1970) auf 741.000 Euro (Jahrgang 2010) steigen. \u201eWenn wir aus so stark steigenden Sozialbeitr\u00e4gen keine Konsequenzen ziehen, droht ein massiver Verteilungskonflikt zwischen Jung und Alt\u201c, so Martina Lizarazo L\u00f3pez, Demografieexpertin der Bertelsmann Stiftung, \u00fcber die Studienergebnisse.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0<strong>Nicht Einzelma\u00dfnahmen, sondern zeitlich abgestimmter Ma\u00dfnahmen-Mix n\u00f6tig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die projizierten Folgen sind jedoch nicht vollkommen unausweichlich. Unsere Szenarien zeigen: Wenn ein moderater Anstieg von Geburten und Zuwanderung mit einem h\u00f6heren Besch\u00e4ftigungsniveau kombiniert wird, lassen sich sowohl kurz- als auch langfristig positive Effekte f\u00fcr die Sozialfinanzen erzielen. \u201eM\u00f6gliche Instrumente sind eine schnellere Erwerbsintegration von Zuwanderern, ein Anstieg der Erwerbst\u00e4tigkeit und des Arbeitsvolumens bei Frauen und Migranten sowie eine Erh\u00f6hung der Regelaltersgrenze, die sich an der steigenden Lebenserwartung orientiert\u201c, so Martina Lizarazo L\u00f3pez. Gefordert seien deshalb unterschiedliche Politikfelder wie etwa Bildungs-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Auch wenn \u00c4nderungen des Erwerbsverhaltens teilweise den Charakter einer reinen Lastverschiebung haben, weil h\u00f6here Anspr\u00fcche erworben werden und dadurch k\u00fcnftig die Rentenausgaben steigen, \u00fcberwiegen den Autoren zufolge aber bei weitem die g\u00fcnstigen Effekte: Der Anstieg der Sozialausgaben kann dadurch bis 2045 um drei Prozentpunkte, bis 2060 sogar um fast 5 Prozentpunkte gesenkt werden. Die Effekte f\u00fcr die Beitragss\u00e4tze sind sogar noch etwasst\u00e4rker.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Hintergrundinformationen<\/p>\n\n\n\n<p>In der Studie \u201eWie variabel ist der demografische Alterungsprozess? Effekte von Geburten und Zuwanderung \u2013 Folgen f\u00fcr die soziale Sicherung\u201c f\u00fchren Martin Werding und Benjamin L\u00e4pple von der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum Langfrist-Simulationen zur Bev\u00f6lkerungsentwicklung und zu deren Folgen f\u00fcr das soziale Sicherungssystem mithilfe des\u00a0<em>Social Insurance Model<\/em>, Version 2016 (SIM.16) durch. Die Grundlage bilden drei aus heutiger Sicht plausible Demografie-Szenarien sowie sechs extremere Varianten zu Geburten und Zuwanderung. Die Effekte der verschiedenen Demografie-Szenarien werden f\u00fcr die Finanzen der besonders Demografie-reagiblen Teilsysteme Alterssicherung, Gesundheit und Pflege, Arbeitsmarkt und Grundsicherung sowie Bildung und Familie berechnet. Im Hintergrund stehen jeweils auch Szenarien zur Entwicklung von Arbeitskr\u00e4ften, Besch\u00e4ftigung und gesamtwirtschaftlichem Wachstum. Den Entwicklungen von Ausgaben und Beitragss\u00e4tzen in den einzelnen Sicherungszweigen liegt der Rechtsstand vom 30. Juni 2018 zugrunde. Um aufzuzeigen, wie verl\u00e4sslich die Perspektive einer alternden Bev\u00f6lkerung in den n\u00e4chsten 20 Jahren ist, und auch zu testen, welche Bandbreite m\u00f6glicher Entwicklungen sich danach ergibt, reicht der Betrachtungszeitraum bis 2080.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geburten und Zuwanderung gelten als wesentliche Stellschrauben, um der demografischen Alterung entgegenzuwirken. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt jedoch, dass selbst deutlich h\u00f6here Zuwanderungs- und Geburtenzahlen die bevorstehenden Herausforderungen f\u00fcr die sozialen Sicherungssysteme allein kaum beeinflussen k\u00f6nnen. Nur mit einem Ma\u00dfnahmen-Mix lassen sich negative Effekte abfedern.\u00a0 G\u00fctersloh, 14. 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