
Zwar strebte der Nationalsozialismus den totalen Zugriff auf die deutsche Jugend an, gerade in den städtischen Zentren des Deutschen Reiches gab es aber viele Jugendliche, die versuchten, ihr Leben und ihre Freizeit jenseits von HJ und BDM nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Diese informellen Jugendgruppen nannten sich Navajos, Kittelbachpiraten oder Edelweißpiraten. Das Rhein-Ruhr-Gebiet war eine ihrer Hochburgen. Das nonkonforme Verhalten dieser Jugendlichen zog die Aufmerksamkeit von HJ, Gestapo und Justiz auf sie – Kriminalisierung und Verfolgung als „Bündische“ war die Folge. Über Gelsenkirchener Gruppen war bislang kaum etwas bekannt, jüngere Forschungen des ISG brachten aber neue Erkenntnisse zu diesem Thema, die im Rahmen des Vortrages präsentiert werden.
Mittwoch, 30. August 2017, 19:00 Uhr
„Stenze und Edelweißpiraten: Unangepasste Jugendliche“
Vortrag von Dr. Daniel Schmidt, Gelsenkirchen, mit anschließender Diskussion
Vor der Abendveranstaltung findet eine öffentliche Führung von 18 Uhr bis 19 Uhr durch die Dauerausstellung „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“ statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Veranstaltungsort:
Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“
Cranger Straße 323, 45891 Gelsenkirchen

Der Sommer 2015, der Sommer der Migration, bleibt auch im Ruhrgebiet nachhaltig in Erinnerung. Mit dem Durchbruch auf der Balkanroute wurde das EU-Grenzregime für einige Monate außer Kraft gesetzt. Es war der vorläufige Höhepunkt im Kampf um Bewegungsfreiheit in Europa. Geflüchtete erkämpften sich so damals das Recht auf ein Leben in Sicherheit und kamen auch in den Ländern Mitteleuropas an, die bis dahin von größeren Zahlen Geflüchteter „verschont“ geblieben waren.

